Das Projekt hat zum Ziel, Analysen über
die Entwicklung des künftigen europäischen Strommarktes
durchzuführen, sowie die Auswirkungen dieser Entwicklungen
auf die Konkurrenzfähigkeit der Schweizer Wasserkraftwerke
zu bestimmen. Dadurch sollen Grundlagen für die Erarbeitung
von Investitions- und Desinvestitionsstrategien im Wasserkraftwerksbereich
bereitgestellt werden.
Die hohe Kapitalintensität der Wasserkraftnutzung gefährdet
langfristig deren Fortbestand. Andererseits führt der wachsende
Einfluss der Elektrizitätsbörsen zu einer erhöhten
Volatilität des Marktes und zu einem erhöhten Bedarf
an schnell abrufbarer Leistung. Zudem hat diese Eigenschaft der
Wasserkraft auch eine höhere Bedeutung bei erhöhtem
Anteil an Technologien mit zeitlich stark fluktuierender Produktion.
Eine sorgfältige Datenerhebung, die Abbildung der schweizerischen
Wasserkraftwerke in einem Energiesystemmodell, dessen Kopplung
mit einem Modell für den europäischen Elektrizitätsmarkt
und verschiedene zusätzliche Analysen sollen für den
Zeitraum bis 2030 wichtige Entscheidungsgrundlagen liefern.
Insbesondere soll ein unter ökonomischen Zielsetzungen und
verschiedenen Randbedingungen (Stromnachfrage, Ausbau der Windenergie
und der grenzüberschreitenden Übertragungsnetze) optimiertes
europäisches Stromversorgungssystem mit den sich ergebenden
tageszeitlich differenzierten Strompreisen erarbeitet werden.
Anhand der Modellläufe und Berechnungen auf der Stufe der
Unternehmungen lässt sich der Frage nachgehen, wie sich
der Wasserkraftwerkpark in der Schweiz entwickeln könnte
und aus heutiger Sicht entwickeln sollte.
Veranlassung und Projektzielsetzung
Die Zielsetzung der Studie liegt in der Analyse folgender übergeordneter
Fra-genkomplexe:
-
Welche Preisstruktur für verschiedenen Lastperioden
ergibt sich für den schweizerischen Kraftwerkspark heute
und wie verändert sie sich bei Erneuerungen nach Ablaufen
der Konzessionen sowie bei Investitionen in Leistungserhöhungen?
-
Welchen Einfluss haben die Veränderungen der
europäischen Kraftwerksparks auf die ökonomische
Bewertung von Spitzenstrom und Reservekraftwerken (Ausgleichs-
und Regelenergie),
insbesondere unter dem Blickpunkt der Speicherkraftwerke
in der Schweiz?
-
Welche institutionellen Änderungen könnten
sich für den schweizerischen Wasserkraftwerkspark unter
diesen neuen Bedingungen unter Einbezug der Liberalisierung ergeben?
Bei der Beantwortung dieser Fragen sollen unterschiedliche
Szenarien für verschiedene politische Entwicklungen Berücksichtigung
finden, die im fol-genden anhand weiterer Fragen umrissen werden
(in diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass bei der
Ausarbeitung der Szenarios die Wünsche des Auftraggebers
berücksichtigt werden sollen):
-
Welche Auswirkungen sind aufgrund schweizerischer
und europäischer CO2-Politiken (CO2-Gesetz in der
Schweiz / EU Emissionszertifikate-Handel) zu erwarten
und wie wirken
sie sich auf Preisstrukturen und die Zusammensetzung
nationaler Kraftwerksparks aus? Welche Vorteile erwachsen
daraus der
schweizerischen Wasserkraft in Hinblick auf anstehende
Erneuerungen?
-
Wie entwickelt sich die Stromversorgung in der Schweiz,
insbesondere die Stellung der Wasserkraft, bei Erneuerung,
Zu- oder Rückbau der Kernkraftwerke?
-
Wie verändert sich bei verschiedenen europäischen
Ausbaustrategien für Windenergie das gesamteuropäische
Stromerzeugungs- und Übertragungssystem, d.h. welche
Investitions- und Desinvestitionsstrategien hat dies zur
Folge und welche Backup-Systeme
werden sich aufgrund des fluktuierenden Leistungsangebotes
der Windenergie etablieren?
-
Welche Anforderungen resultieren hieraus für
die Stromübertragung und den Netzausbau?
-
Inwiefern ist die Reziprozität im Stromaustausch
mit der EU langfristig von Bedeutung? Könnte die Schweiz
ihre Stellung als Stromdrehscheibe verlieren?
Diese Fragestellungen sollen im Rahmen zweier zeitlich nacheinanderliegender
Etappen beantwortet werden. Während es in der 1. Etappe vor
allem um die detaillierte Analyse des Schweizer Elektrizitätssektors
geht (sowie um erste Abschätzungen zu den Zukunftsperspektiven
der Wasserkraft), liegt der Fokus der 2. Etappe auf der Integration
des Schweizer Elektrizitätssektors in das europäische
Elektrizitätsversorgungssystem. Aus diesem Grunde ist es
die Zielsetzung der ersten Etappe insbesondere folgende Fragen
zu analysieren:
-
Wie entwickelt sich die Stromnachfrage in der Schweiz? Welche
Kostenstrukturen ergeben sich für den Schweizer Kraftwerkspark
und speziell für die Wasserkraftwerke?
-
Welche Varianten der zukünftigen Struktur des Schweizer
Elektrizitätssektors sind denkbar? Wie verändert
sich die Möglichkeit zur Selbstversorgung?
-
Welche Technologien stehen in der Schweiz für mögliche
Investitionen zur Verfügung?
-
Welche Rolle können die unterschiedlichen Wasserkraftwerke
in der zukünftigen Energieversorgung der Schweiz spielen?
Dem gegenüber stehen in der 2. Etappe insbesondere folgende
Fragen im Zentrum:
-
Welchen Einfluss haben die Veränderungen im europäischen
Kraftwerkspark auf die ökonomische Bewertung von Spitzenstrom
und Reserveenergie (Regelenergie)?
-
Welche Rolle spielen die schweizerischen Speicher- und Pumpspeicherkraftwerke
bei sich ändernden Kraftwerksstrukturen in Europa
(bspw. bei einem vermehrtem Angebot an fluktuierender
Windenergie)?
-
Welche Investitionen und Desinvestitionen haben die sich ändernden
Rahmenbedingungen zur Folge und welche Backup-Systeme
werden sich etablieren und wie sieht dabei die Rolle des
Schweizer
Kraftwerksparks aus?
-
Inwiefern beeinflussen politische Veränderungen, wie
die europäische CO2-Politik mit Zertifikathandel oder
der Ausstieg aus der Kernenergie in dem einen oder andern europäischen
Land die zukünftigen Wettbewerbschancen der schweizerischen
Wasserkraftwerke?
Zur Analyse der Entwicklungen auf dem schweizer / europäischen
Strommarkt soll auf verschiedene Module der etablierten PERSEUS-Energiesystemmodellfamilie,
die aktuell für verschiedene umweltpolitische und/oder wettbewerbliche
Fragestellungen für den europäischen Strommarkt bei grösseren
europäischen Energieversorgungsunternehmen und nationalen
wie internationalen Institutionen eingesetzt werden, zurückgegriffen
werden. Entsprechend der Projektzielsetzung wird das Modell insbesondere
innerhalb der ersten Etappe zur Realisierung der detaillierten
Abbildung der schweizerischen Wasserkraft weiterentwickelt. Die
Integration des schweizerischen Elektrizitätssystems in das
europäische PERSEUS-Energiesystemmodell ist das zentrale
Element und die daraus ableitbaren Resultate der eigentliche
Mehrwert der
beantragten Studie.