Energetische Wirkung
Die Wirkungsanalyse von Infras liefert jedes Jahr eine quantitative
Aussage zur Wirkung einer Vielzahl von Produkten und Massnahmen
von EnergieSchweiz. Die Vergleiche (Benchmarking) von verschiedenen
Produkten und Massnahmen sind auf der operativen Ebene im Sinne
eines Controllings wichtig. Für diesen Vergleich als Indikator
die energetische Wirkung und die daraus abgeleitete Kostenwirksamkeit
zu verwenden ist sicher sehr sinnvoll und zeugt von einem hochstehenden
Controlling-Konzept. Andererseits darf nicht übersehen werden,
dass die quantitativen Aussagen zur energetischen Wirkung von
vielen Massnahmen und Produkten mit grossen Unsicherheiten behaftet
sind.
Zusammen mit Infras wurden die Wirkungsanalyse der 15 Produkte
mit der höchsten ausgewiesenen energetischen Wirkung anhand
von Kriterien, die aus der Evaluations- und Innovationstheorie
entnommen sind, beurteilt und charakterisiert. Ergänzend
wurden drei Produkte (energho, Grossverbraucher des Bundes und
Minergie) etwas detaillierter untersucht. Daraus lassen sich einige
generelle Aussagen zur Vorgehensweise und zu den Ergebnissen machen:
-
Eher pessimistische Annahmen zur Referenzentwicklung (ohne
EnergieSchweiz) und die meistens vernachlässigten Mitnahmeeffekt
dürften zu einer Überschätzung der energetischen
Wirkung führen.
-
In die gleiche Richtung weisen die gleichzeitig mehreren
Produkten gutgeschriebenen Wirkungen (Doppelzählungen).
-
Andererseits gibt es aber auch energetische Wirkungen von
EnergieSchweiz, die nirgends berücksichtigt sind. Nicht
für alle Produkte und Aktivitäten wird eine energetische
Wirkung ausgewiesen und für gewisse Produkte sind nicht
alle Aktivitäten berücksichtigt.
-
Vernachlässigt wird auch der Imitationseffekt, wobei
dessen energetische Wirkung bei erst kürzlich ergriffenen
Massnahmen wahrscheinlich sehr viel kleiner ist als die Wirkung
des Mitnahmeeffekts.
Die insgesamt ausgewiesene energetische Wirkung von EnergieSchweiz
liegt im Vergleich mit der totalen (autonomen, gesetzlich induzierten
und freiwilligen) Effizienzverbesserung der Ex-Post-Analyse in
einer Grössenordnung, die für die Brenn- und Treibstoffe
nicht unplausibel ist. Eher unwahrscheinlich erscheinen aus dieser
Sicht aber die für den Stromverbrauch im Marktbereich Öffentliche
Hand und Gebäude ausgewiesenen Einsparungen. Für die
erneuerbaren Energien scheint ebenfalls eher eine Überschätzung
der Wirkung von EnergieSchweiz vorzuliegen.
Emissionen
Bei den Wirkungsanalysen zu den Veränderungen der Emissionen
werden alle vorgelagerten Prozesse der Energiekette miteinbezogen.
Dies ist zwar aus globaler Sicht sachgerecht und lobenswert, führt
aber zu schwer wiegenden Missinterpretationen beim eiligen oder
nicht gut informierten Leser, wenn er diese global veränderten
Emissionen der Energiekette lediglich auf die gesamtschweizerischen
Emissionen bezieht. Hinzu kommt die Darstellungsweise in der kumulierten
Form über die Lebensdauer und nicht als jährliche Emissionsminderungen,
was das Verständnis weiterhin erschwert.
Angaben zum Nutzen der Emissionsreduktionen in monetären
Einheiten werden keine gemacht. Eine solche Umrechnung könnte
aber nützlich sein, denn der volkswirtschaftliche Nutzen
der vermiedenen Emissionen liegt in der gleichen Grössenordnung
wie die Netto-Kosten der ausgelösten Investitionen.
Kostenwirksamkeit
Der Bericht von Infras unterscheidet drei Kosten-Wirksamkeits-Indikatoren,
zwei davon aus der Sicht der Programmeffizienz (aus der Sicht
der Aufwendungen von EnergieSchweiz einerseits sowie der Summe
der Programmkosten von EnergieSchweiz und der Kantone andererseits)
und eine aus der Sicht der Massnahmen-Effizienz insgesamt, indem
die insgesamt eingesetzten öffentlichen und privaten Mittel
den jeweils gesamten energetischen Wirkungen über der Lebensdauer
der Massnahmen gegenübergestellt werden.
Die Werte der Indikatoren zur Fördereffizienz bzw. zur gesamtwirtschaftlichen
Effizienz der Massnahmen variieren über mehr als zwei Grössenordnungen,
so dass sich der Leser fragen muss, wie er derartige grosse Unterschiede
zu bewerten hat.
Eine Aufteilung der drei Kosten-Nutzen-Indikatoren nach den zwei
Kategorien Energieeffizienz und erneuerbare Energien/neue Technologien
dürfte eine Entscheidung erleichtern, einzelne Produkte (Massnahmen)
auf die Verbesserungsfähigkeit ihrer Fördereffizienz
zu prüfen oder mit besserer Begründung Prioritäten
und Posterioritäten in Zeiten finanzieller Engpässe
und/oder schnellerer Zielerreichung im Rahmen des CO2-Gesetzes
setzen zu können.
Beschäftigungswirkung
Mittels eines partialanalytischen Schätzmodells rechnet
Infras jährlich die Beschäftigungswirkungen von EnergieSchweiz
anhand der ermittelten energetischen Wirkungen und der dazu erforderlichen
Investitionen und sonstiger Aufwendungen.
Die resultierenden positiven Netto-Beschäftigungswirkungen
erfolgen in jenen Wirtschaftsbereichen, wo die Energieeffizienz
produziert bzw. bisher genutzt wird, sowie in einigen Dienstleistungsbereichen
wie Planung, Finanzierung, Wartung und Instandhaltung.
Allerdings weist die Infras-Analyse auf zwei Qualitäten
dieser Beschäftigungswirkungen nicht hin, die für die
Würdigung dieser Zahlen von Bedeutung sind:
-
Die Beschäftigungswirkungen sind regional sehr breit
gestreut.
-
Die Beschäftigungswirkungen erfolgen zu sehr hohen Anteilen
in der Investitionsphase, d.h. zu Beginn der Energieeinsparung
bzw. der Erzeugung von Energie aus erneuerbaren Energiequellen.
Wenngleich die Abschätzung der Beschäftigungswirkungen
nach der von Infras durchgeführten Methode den "Stand
der Technik" der Modellierung ökonomischer Wirkungen
reflektiert, so bleiben analytisch einige Folgewirkungen auf die
Beschäftigung ausgeschlossen, weil sie entweder (noch) nicht
modellierbar sind oder nur in groben Umrissen quantifizierbar
wären.
Eine Energie- und Klimapolitik muss heute als Teil einer Innovations-
und Wirtschaftspolitik verstanden werden, die den gesamten Kapitalstock
eines Landes zu erheblich höherer Ressourceneffizienz bringen
muss. Hierbei kann ein Hochtechnologieland wie die Schweiz Pioniergewinne
in den neuen Märkten realisieren.
Empfehlungen
Insgesamt haben die Autoren den Eindruck, dass die Daten des
Programms EnergieSchweiz etwas isoliert in ihren Einzelwirkungen
dargestellt sind, so dass eine vergleichende Bewertung der Produkte
und die Möglichkeit der Identifizierung von Verbesserungsmöglichkeiten
oder Priorisierung erschwert sind. Die vorhandenen Ergebnisse
könnten zum Zwecke der strategischen Programmsteuerung noch
besser dargestellt werden. Die Autoren meinen auch, dass ein innovations-
und technologiepolitik-theoretisch basiertes Konzept deutlicher
zur Darstellung der Evaluationsergebnisse genutzt werden könnte.
Methoden, Konzepte, Daten
Den einzelnen Produkt- bzw. Teilprogrammleitern steht kein stringentes
und gemeinsames Evaluationsraster und -verständnis zur Seite,
das grundlegende Elemente einer Evaluation enthält. Einem
derartigen systematischen Vorgehen mögen zwar im Einzelfall
methodische, statistische oder datenmässige Schwierigkeiten
und Mängel entgegenstehen, aber ein einheitliches methodisches
Konzept, das hiermit für die Datenerhebung empfohlen wird,
hat auch den Vorteil, erkannte Mängel der Datengewinnung
oder -verarbeitung in Zukunft zu vermindern.
Bisher hat die Evaluation der einzelnen Produkte einen eher statischen
Beurteilungsstandpunkt im Sinne eines produktorientierten jährlichen
Rechenschaftsberichtes, dessen Ergebnisse jährlich summiert
werden, nicht aber eine dynamische Konzeption.
Aus den o.g. Gründen erscheint es sinnvoll, in einem (vielleicht)
mehrjährigen Rhythmus die Wirkungsanalyse auch in dem Kontext
der jeweiligen Zielgruppen und Technologieentwicklungen durchzuführen,
um Änderungen der Produkte oder Programme zu erwägen
und damit ihre Gesamtwirkungseffizienz zu verbessern. In diesem
Zusammenhang wird auch empfohlen, die jeweilige evaluierte Massnahme
graphisch in einem Produktzyklus-Diagramm zu verorten, das möglichst
die relevanten Hemmnisse, Chancen und Policy-Möglichkeiten
enthält.
Energetische Wirkung
Eine Schwachstelle der heutigen Wirkungsanalyse besteht sicher
darin, dass für die einzelnen Produkte nicht systematisch
eine möglichst empirisch abgestützte Referenzentwicklung
(ohne EnergieSchweiz) definiert wird. Obwohl die Festlegung einer
Referenzentwicklung schwierig und eine empirische Abstützung
nicht immer möglich sein kann, empfehlen wir in jedem Fall
eine solche Quantifizierung. Dazu müsste Infras die Vorgaben
für die Produktverantwortlichen präzisieren und verschärfen
und deren Instruktion verbessern.
Der Auftragnehmer der Wirkungsanalyse ist andererseits eindeutig
für die Verbesserung der Behandlung von möglichen Doppelzählungen
zuständig. Es könnte sein, dass dieser Prozess dazu
führt, von der Analyse einzelner Massnahmen abzusehen und
anstelle die Wirkung (und Kosten-Wirksamkeit) von Massnahmenbündeln
zu analysieren.
Überdacht werden sollten sicher auch einige Wirkungsmodelle,
wobei insbesondere auf "Selbstläufer" zu achten
wäre. Damit eng verwandt ist die Frage nach der Bedeutung
des Imitationseffekts. Obwohl dieser Effekt bei Produkten, die
erst kürzlich eingeführt wurden oder die sich noch in
der Inkubationsphase befinden, wahrscheinlich vernachlässigt
werden können und den Mitnehmereffekt nicht aufwiegt, kann
er längerfristig eine wichtige Rolle spielen.
Im gegenwärtigen Bericht zur Wirkungsanalyse fehlt in unseren
Augen der Bezug zum gesamtenergiewirtschaftlichen Kontext. Neben
einer effizienteren Nutzung der Wirkungsanalyse kann damit eine
gewisse Plausibilisierung (oder eben nicht) der Ergebnisse der
Wirkungsanalyse erfolgen.
Emissionen
Da die von Infras benutzten spezifischen Emissionswerte nicht
mehr ganz aktuell sind und die Analyse nicht zwischen inländischen
und ausländisch verursachten Emissionen unterscheidet, empfehlen
wir, die Analysen für 2003 mit aktualisierten spezifischen
Emissionen der gesamten Energiekette durchzuführen und jeweils
beide Emissionswerte (inländische und globale Werte) getrennt
auszuweisen.
Dies hätte auch den Vorteil, die inländisch vermiedenen
Emissionen als vermiedene externe Kosten für die Schweiz
bzw. die Nachbarländer (jeweils etwa rd. 50 %) in monetären
Einheiten auszuweisen und sie auch in einem weiteren Kosten-Nutzen-Indikator
in die Gesamtbewertung aus Sicht der nachhaltigen Entwicklung
integrieren zu können.
Kostenwirksamkeit und Beschäftigung
Bei der Darstellung der Fördereffizienz durch die Kosten-Wirksamkeits-Indikatoren
empfehlen die Autoren sowohl die Trennung nach Massnahmen zur
Energieeffizienz einerseits bzw. zur Nutzung erneuerbarer Energien
und neuer Technologien andererseits als auch die Bewertung der
eingesparten/produzierten Energiemengen durch Energiemarktpreise
der jeweiligen Zielgruppen.
Damit hätte man eine klare Gruppierung nach den zwei zentralen
Förderzielen sowie die Möglichkeit, eine Kosten-Nutzen-Relation
auszuweisen, die den höheren Wert der verschiedenen Energieträger
wie z.B. Elektrizität, Treibstoffe und Wärme gegenüber
den Brennstoffen und auch die Preissituation einzelner Energieverbrauchsgruppen
(Haushalte, Dienstleistungen, Industrie) für die energetische
Wirkung in Rechnung stellt.
Die positiven Aspekte der Netto-Beschäftigungsgewinne mit
ihrer guten räumlichen Verteilung und ihrer zeitlichen Verlagerung
auf den Investitionszeitpunkt sollten bei den Beschäftigungswirkungen
mit genannt werden.